Die deutsche Luftwaffe verwendete für den Anstrich ihrer
Flugzeuge standardisierte Farben mit der Bezeichnung RLM (Reichsluftfahrtsministerium)
und einer Nummer. In den entsprechenden Vorschriften wurde auch festgelegt,
welcher Farbton wofür zu verwenden war. Das ganze Thema Farbgebung der Luftwaffe
ist sehr komplex und auch die Quellenlage ist nicht besonders gut, wer sich
weiter in diese Thematik vertiefen möchte, findet am Schluss einige empfehlenswerte
Bücher zu diesem Thema.
Grundsätzlich kann man bei der Farbgebung zwischen Vorkriegssegmenttarnung
(bis ca. 1938), Segmenttarnung in 65/70/71, Angriffstarnung der Jäger (bis
ca. 1944) und Tarnung der letzten Kriegsmonate unterscheiden. Die Flugzeuge
wurden bereits ab Werk mit dem vorgeschriebenen Tarnanstrich ausgeliefert,
der dann an der Front entsprechend modifiziert wurde.
Beispiele für Tarnschemen der deutschen Luftwaffe im 2.
Weltkrieg:
Vorkriegssegmenttarnung bis
ca. 1938
61/62/63
frühe Doppeldeckerjagdflugzeuge, Prototypen
02
Segmenttarnung (grün) - Flugzeuge außer
Seeflugzeuge bis Ende 1939, später hauptsächlich Bomber,
Transporter und Schlachtflugzeuge
65/70/71
3-Farben Wüstentarnung - Afrika
78/79/80
Nachtjäger (zuerst nur schwarz)
75/76
Jäger - ca. ab Ende 1939
65/70/71
Jäger - Frankreichfeldzug, Luftschlacht
um England
meistens 02/65/71
Angriffstarnung - Jäger von 1941-1944
74/75/76
Jäger, 1944-45
76(84)/81/82(83)
Die Farben selber wurden von unterschiedlichen Herstellern
erzeugt, erschwert wurde die Lage noch durch die Kriegsumstände, die das
Deutsche Reich zwangen, landeseigene bzw. minderwertige Pigmente für die
Farbherstellung zu verwenden, sodaß es schon frühzeitig unmöglich war, exakte
Farbtöne herzustellen. Auch auf Witterungseinflüsse reagierten die verschiedenen
Farben leider unterschiedlich. Anhand von Schwarzweiss Fotos ist es nahezu
unmöglich, unterschiedliche Grautöne wie z.B. RLM 65 und RLM 65 A zuverlässig
zu bestimmen. Die Farbfotos aus dem 2. Weltkrieg eigen sich zur exakten
Identifizierung von Farben ebenfalls nicht, da nach so langer Zeit auf alle
Fälle Farbverschiebungen aufgetreten sind, und da ja selbst mit heutigen
Farbfilmen unter gleichen Lichtbedingungen unterschiedliche Ergebnisse erzielt
werden. Um die Verwirrung noch perfekt zu machen, wurde in den letzten Kriegsmonaten
alles an Farbe verwendet, was gerade greifbar war (es war z.B. lt. Lufwaffendienstvorschrift
erlaubt, die neuen Farbtöne bis zum Verhältnis 1:1 mit den Alten zu vermischen).
Für den Modellbauer von heute bedeutet dies, es gibt in Wirklichkeit kein
"richtiges RLM xx", das gilt vor allem für die späten Farben -
RLM 81 / 82 / 83, für die es keine offizielle Farbmusterkarte des RLM gegeben
hat. Für die Erstellung von Farbmusterkarten für diese Farben wurden u.a.
Originalflugzeugteile herangezogen, für die natürlich das oben Gesagte besonders
gilt. Ich persönlich lege den Schwerpunkt auf ein stimmiges Gesamtbild des
Tarnanstriches.
Es gibt inzwischen einige Farbenhersteller wie GUNZE, TESTORS, JPS-COLOR,
LIFE-COLOR usw., die RLM-Farbtöne unter der RLM-Nummer im Programm haben.
Diese Farben sind natürlich auch mit einer gewissen Vorsicht zu betrachten,
aber sicher die bessere Wahl als die Farben von HUMBROL, REVELL, usw., die
nicht dezidiert als RLM-Farbtöne ausgewiesen sind.Basierend auf den RAL-Farbmusterkarten
hat z.B. die Fa. GUNZE ihre Luftwaffen- bzw. auch Fahrzeugfarben hergestellt
(zumindestens die Farben ab Gunze-Nr. H-4xx), die meiner Meinung nach sehr
exakt sind und sich außerdem hervorragend mit der Airbrush verarbeiten lassen.
Erläuterungen
zur RLM-Farbtabelle:
Diese Tabelle beinhaltet alle bekannten RLM-Farben, RLM 84 ist nicht angeführt,
da diese Farbe offiziell nicht existiert hat, ebenso RLM 99 - wobei 99 bedeutet:
Farbton unerheblich. RLM 00 entspricht einem glänzenden Klarlack. Alle RLM-Farben
wurden offiziell nur mit der Nummer geführt und nicht mit einer Farbbezeichnung.
Für einige Farben sind Varianten bekannt, wo dies der Fall ist, habe ich
die Anzahl der mir bekannten Varianten in der Spalte Var. vermerkt. Die
meisten Varianten waren heller oder dunkler, mit Ausnahme von RLM 81: die
von mir angegebene FS-Nummer ist ein braunvioletter Ton, wie man ihn auf
vielen Farbprofilen sieht, angeblich wurde dieser Farbton direkt bei den
Einheiten aufgebracht, die anderen Varianten von RLM 81 sind eher olivgrün.
Auf Farbangaben (FS-Nummern) für die Varianten habe ich verzichtet, da die
unterschiedlichen Quellen hier stark differieren (für die einen ist Variante
1 heller, für die anderen dunkler).
wie
bin ich zu den Farbverweisen gekommen?
im Internet gibt es eine Menge Farbtabellen mit Querverweisen zu den verschiedenen
Farbherstellen. Nach einigen Vergleichen habe ich starke Differenzen in
diesen Listen festgestellt. Da die meisten Farbhersteller nicht aus dem
deutschprachigen Raum kommen, habe ich ebenfalls mit den FS-Nummern (Federal
Standard) gearbeitet und mir die derzeit aktuellen Farbmusterkarten FS-595b
aus Amerika besorgt. Viele Farbtabellen, wie z.B. der IPMS Color
Cross Reference Guide oder die FS-Nummern auf den Aeromaster Decalbögen
beziehen sich auf FS-595a - aus diesem Grund habe ich auch die FS-595a
Nummern angeführt (Quelle: IPMS Color Cross Reference Guide). Leider wurde
eine Anzahl von Farbtönen beim Wechsel von FS-595a auf FS-595b gelöscht
- diese Farbtöne sind extra ausgewiesen (blau).
Zum Bestimmen der Farbtöne nach FS-595b habe ich als Referenz das als sehr
zuverlässige Quelle geltende Buch The Official Monogram Painting Guide
to German Aircraft 1935 - 1945 verwendet. In diesem Buch befinden sich
Farbmusterkarten (kein Druck!), die nach Angaben bzw. Farbmusterkarten des
deutschen RAL-Institutes gefertigt wurden. Diese Farbmusterkarten habe ich
mit FS-595b Farbmusterkarten verglichen und die entsprechende Farbnummer
angegeben. Für alle FS-Nummern gilt, daß sie kaum zu 100% übereinstimmen,
alle FS-Nummern mit stärkerer Abweichung sind extra ausgewiesen (gelb).
Die RAL-Nummern habe ich dem Buch Oberflächenschutzverfahren entnommen,
das mir in dieser Beziehung als sehr zuverlässig erscheint - wo RAL-Nummern
zur Verfügung standen, sind die Revell- und Humbrolfarben nach diesen referenziert
- diese Farbtöne sind extra ausgewiesen (grün). Für einen Teil der Humbrolfarben
habe ich die Humbrol Authentic Colors Umrechnungstabelle (die allerdings
nicht besonders exakte Farbtöne waren) verwendet und über die Humbrol-Nr.
auf die entsprechende Revell-Nr. referenziert - diese Farbtöne sind extra
ausgewiesen (rot). Die nicht markierten Humbrol- und Revellfarben sind über
FS-595b referenziert.
RLM
Var
Bezeichnung
Verwendung
FS-595b
FS-595a
RAL
Revell
Humbrol
00
wasserhell
Schutzanstrich
01
silber
Fahrwerksteile, Anstrich ü.A.
17178
17178
9006
02
RLM-grau
Innen, Tarnung, Prototypen
34159
36165
7003
45
86
03
silbergrau
früher Anstrich ü. A.
37200
37200
04
gelb
Markierungen
33538
33538
1004
154
05
elfenbein
früher Anstrich f. Segelflugzg.
33798
37880
11
grau
21
weiss
Markierungen
27780
37886
9001
5
34
22
schwarz
Markierungen
37038
37038
9004
8
33
23
rot
Markierungen
31302
31140
3020
24
dunkelblau
Markierungen
25053
25053
5000
56
25
25
hellgrün
Markierungen
34090
34115
6000
365
26
braun
frühe
Tarnung, Markierungen
30109
30109
8004
27
gelb
Markierungen
33637
33637
1021
28
weinrot
Markierungen
30045
30032
41
grau
Innenanstrich
36463
36440
7011
71
92
42
grau
7012
77
79
61
dunkelbraun
Tarnung bis ca. 1938
30040
30040
8019
81
10
62
grün
Tarnung bis ca. 1938
34159
34128
6003
361
117
63
2
hellgrau
Tarnung bis ca. 1938
36375
36373
7033
115
64
lichtblau
s.g.
Exportfarbe
35526
35414
65
2
hellblau
Unterseiten
35352
35352
55
65
66
schwarzgrau
Innenanstrich (Cockpit
sichtbar)
37030
36081
7021
9
184
67
dunkeloliv
s.g.
Exportfarbe
34098
34098
68
helloliv
s.g.
Exportfarbe
34258
34097
69
lichtloh
s.g.
Exportfarbe
33695
33596
70
schwarzgrün
Tarnung, Propeller
34052
34050
91
71
dunkelgrün
Tarnung
34083
34079
363
30
72
grün
Tarnung - Seeflugzeuge
37030
36081
73
grün
Tarnung - Seeflugzeuge
36081
34092
32
74
2
dunkelgrau
Tarnung
36081
34086
32
75
mittelgrau
Tarnung
26132
36122
140
76
3
lichtblau
Tarnung, Unterseiten
36473
36473
175
77
hellgrau
Markierungen
26420
36493
7035
371
196
78
hellgrau
Unterseiten - Afrika
35352
35352
122
79
sandgelb
Tarnung - Afrika
30219
30215
382
118
79
sandbraun
Tarnung - Afrika
33448
33434
382
118
80
olivgrün
Tarnung - Afrika
34079
34052
116
81
3
braunviolett
Tarnung ab ca. 1944
30045
34087
66
155
82
2
hellgrün
Tarnung ab ca. 1944
34096
34128
6003
361
117
83
2
dunkelgrün
Tarnung ab ca. 1944
34138
34138
6006
108
91
duralgrau
Lufthansafarbe
= nur annähernd
richtiger Farbton
= existiert
in FS595b nicht mehr
= über
die RAL-Nummer referenziert
= über
Humbrol Authentic Colors referenziert
Anmerkung zu RLM-79: anfangs wurde in Afrika RLM-79
sandbraun verwendet, später RLM-79 sandgelb, das um einiges
heller war. Die dunklere Variante von RLM-79 stammt wahrscheinlich
aus italienischen Beständen.
Anmerkung zum FS-Nummern System: 1xxxx = glänzend,
2xxxx = seidenmatt, 3xxxx = matt. Der matte Farbton 34138
muß z.B. nicht zwangsläufig auch als glänzender oder seidenmatter
Farbton existieren.
der
Maßstabseffekt (Scale-Effekt):
ein weiterer Aspekt der die Farbtonbestimmung relativiert, ist der Maßstabseffekt.
Ein Modell reflektiert aufgrund seiner geringeren Größe eine viel geringere
Menge an Licht als das Original. Dehalb wirkt ein Modell in den Originalfarben
bemalt immer zu dunkel. Um diesem Effekt zu begegnen, muß man je nach Maßstab
des Modells der Farbe einen mehr oder weniger großen Anteil weiß beimischen.
An diesem Thema scheiden sich offensichtlich ebenfalls die Geister, denn
dazu gibt es auch unterschiedliche Ansichten:
Wie hoch dieser Anteil ist, berechnet man mit folgender Formel:
Maßstab : Zwei = % des Zugabeanteils weiß zur Basisfarbe
diese Formel ist bei sehr großen (1:24) bzw. kleinen
Maßstäben (ab 1:144) nicht mehr anwendbar - bei 1:24 kann auf das Aufhellen
gänzlich verzichtet werden. Diese Formel wird in vielen Publikationen veröffentlicht
(so auch in The Official Monogram Painting Guide to German Aircraft),
und scheint in den USA und Europa die eher Verwendete zu sein.
Die britischen Modellbauer bevorzugen es eher etwas dunkler, nach Ian Huntley:
1:32 - 7%, 1:48 - 10%, 1:72 - 15%, 1:144 - 23%
(nach: Ian Huntley - Scale Aircraft modelling Vol. 5 / Nr. 10)
Schlussbetrachtung:
"Vorab ist nur zu sagen, daß Sie sich auf eines
der kontroversesten Themen im ganzen Modellbaubereich einlassen, die Diskussion
ist uralt und keiner hat bisher eine Lösung gefunden, die alle Modellbauer
zufrieden stellt. Wir nutzen 3 unterschiedliche Farbkarten, die alle "angebliche"
Originalfarbabstriche von RLM-Farben haben. Die Unterschiede bei diesen
Karten sind zum Teil schon sehr eklatant. Wenn Sie dann davon ausgehen,
daß Sie für jeden Maßstab wieder eine andere Mischung brauchen, was bei
1/32 noch einigermaßen gut aussieht, ist bei 1/48 oder 1/72 schon wieder
viel zu dunkel, läßt das Ganze zu einer vagen Rätselei werden. Wir achten
darauf, daß die Farben gut zueinander passen und in sich stimmig sind. Eine
ultimative Lösung haben wir auch nicht."
diese Mitteilung bekam ich von REVELL - Deutschland auf
meine Anfrage, worauf ihre Farbangaben referenzieren - dem ist eigentlich
nicht viel hinzuzufügen. Es ist sicher besser, (anhand von Originalaufnahmen)
dem Verhältnis der verschiedenen Farben zueinander (Kontrast) mehr Gewicht
beizumessen als der Suche nach dem einzig "wahren" Farbton - den
niemand mit letzter Sicherheit bestimmen kann.
Diese Tabelle erhebt natürlich keine Anspruch darauf, die einzig Richtige
zu sein, für Anregungen und Hinweise bin ich natürlich immer dankbar.
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Literatur/ Referenzen:
The Official Monogram Painting Guide to German Aircraft 1935
- 1945
von Kenneth A. Merrick, Thomas H. Hitchcock
Monogram Aviation Publications, 1980, ISBN 0-914144-29-4
IPMS Color Cross-Reference Guide, von David H. Klaus
Meteor Productions Inc., 1992
Oberflächenschutzverfahren und Anstrichstoffe der dt. Luftfahrtindustrie
und Luftwaffe 1935 - 1945
von Michael Ullmann
Bernard & Graefe Verlag, 2000, ISBN 3-7637-6201-9
Federal Standard 595b Colors - Fan Deck (Juli 1994), 7690-01-162-2210
Farbkonvertierungstabelle HUMBROL, Version 11-06-2000, von
Steffen Jachnow
Download unter: www.plastmodell.de
herzlichen Dank an Steffen Jachnow für seine freundliche Unterstützung
Markierungen und Tarnanstriche der Luftwaffe im 2. Weltkrieg
(1-4), von Karl Ries jr.
Verlag Dieter Hoffmann, 1967 - 1972
Camouflage & Markings Luftwaffe 1935 - 1945 (1-5)
von Jaroslaw Wrobel, Janusz Chielewski, Robert Michulec
AJ-Press, 1994 - 1998 - englische Ausgabe: Books International
verschiedene Tabellen von Farbherstellern
über den Autor
Wolfram Bradac
Ich bin 1962 in Wien geboren
und habe in meiner Schulzeit begonnen, Modelle zu bauen (Airfix,
...). Nach langer Pause habe ich vor einigen Jahren wieder damit
begonnen. Mein Hauptinteresse gilt natürlich den Flugzeugen
der deutschen Luftwaffe im 2. Weltkrieg, aber auch Militärfahrzeugen.
Wie viele andere Modellbauer habe ich natürlich viel mehr
Bausätze auf Lager als fertig Gebaute. Neben dem Modellbau
ist Photografieren ein weiteres Hobby von mir.
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Luftwaffe
wurde zuletzt geändert am: 06.12.2000
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